Donnerstag, 3. Juni 2010

Spritzenangst

Wir haben in der Praxis wirklich viele ängstliche Patienten. Sowohl Frauen als auch Männer, wobei die Frauen (gefühlt) überwiegen. Heute hatte ein Patient seinen zweiten Termin, ich wollte die Kanäle des Zahnes aufbereiten, den ich letztes Mal "nur schnell" geöffnet hatte. Dabei anästhesiere ich inzwischen ganz gerne, weil der Patient sonst gerne mal unkontrolliert zuckt. So, da waren wir, ich und der heutige Patient, uns auch einig, und ich zück also die Spritze als er plötzlich meint: boh, mir wird so komisch, richtig schlecht.... Supi, also erst mal Beine hoch, kalter Lappen auf die Stirn und einfach nur liegen. Patient sagt: muss wohl am Wetter liegen, ist ja jetzt auch so warm. Ne, glaub ich nicht, aber gut. Ich habe mich dann dazu entschlossen, nur einen Medikamentenwechsel zu machenm ohne Spritze. Der Mann wiegt nämlich bestimmt annähernd 100 kg und ich könnte den nie im Leben vom Boden aufsammeln. Das ging dann ja auch alles gut.
Allerdings ist das Problem ja jetzt einfach mal verschoben. Ich gehe da jetzt erst mal vor wie bei den Kindern, wenn das nicht sofort klappt: erstmal "Übetermine". Er kommt beim nächsten Mal also nur zum Zahnsteinentfernen:-) Ich hoffe für uns beide, dass der darauffollgende Termin dann besser läuft, ich kann bei ihm ja nun nicht wie bei Kindern vom Schlafsaft für den Zahn reden...

Freitag, 28. Mai 2010

Erziehungsfehler?

Mittwoch war ein schöner Tag. Genug zu tun, aber man fühlte sich nicht wie auf einem Marathon:-) Wäre nicht gegen 13 Uhr ein kleiner Problemfall von 4 1/2 Jahren erschienen. Die kleine Patientin war bereits vor zwei Monaten da und hatte eine kleine Füllung an einem Frontmilchzahn bekommen. Die war jetzt leider wieder draußen. In der Karte waren keine Probleme vermerkt, die Mutter meinte allerdings, dass das Polieren problematisch war. Deshalb waren übrigens noch Überstände da, wodurch sie die Füllung mit der Zahnseide Ausversehen entfernt hatte. Egal, ich ging da also ganz unvoreingenommen ran. Kind auf den Schoß der Mutter, lief auch alles ganz gut, AZ-Streifen war schon drin, Bonder schon drauf, lichtgehärtet. Ab diesem Punkt KONNTE nichts mehr schmerzen. Und plötzlich fängt das Kind an zu schreien und zu weinen und wollte nach Hause. Gut, meine Überredungskunst reichte soweit, dass ich wenigstens die Füllung noch reinbekam:-) Dann hab ich das Zauberradiergummi gezeigt und vorgeführt und es ging gar nichts mehr: das Kind schrie wie am Spieß und wollte nicht mehr. Wollte es jetzt nicht mehr, weil irgendwas weh tat (konnte ich eigentlich echt ausschließen) oder weil es keine Lust mehr hatte und mit Schreien immer seinen Willen durchsetzte? Ich nahm letzteres an. Gerade, als ich dann zum Kind meinte: "wir machen das sowieso heute, Du kannst nur entscheiden, ob jetzt sofort oder später, eben bis Du den Mund aufmachst (ich war echt genervt...). Ich hätte Zeit und würde gleich noch mal reinkommen, um die Entscheidung zu erfragen", da kam meine Chefin rein (schließlich hatte das Kind die ganze Praxis zusammengebrüllt:-)) und meinte: genau richtig, dass ist alles nur ein Erziehungsfehler, die kriegt so immer ihren Willen.
Gut, die ganze Chose lief dann so 1 1/2 Stunden (auch ich bin stur und die Mutter wollte das gerne auch hinter sich bringen; übrigens eine ehemalige Zahnarzthelferin), leider ohne Erfolg. Immer wenn ich reinkam, ging das Gebrülle wieder los. Nix zu machen. Gut dann eben nicht. Jetzt gibt es erst mal einen Termin zum Üben und dann zum Polieren.
Meine Chefin meinte nach wie vor, dass ich das alles richtig gemacht hätte. Das Kind kenne es einfach nicht anders, bei der Mutter würde es damit sonst immer durchkommen.
Mag ja auch sein, trotzdem mache ich mir natürlich Sorgen, dass ich solch einer Aktion das Kind zahnarztscheu mache. Keine Ahnung. Vielleicht bin ich jetzt der Zahnarztschreck? Oder Kinderschreck? Wobei: gerade gestern habe ich sehr erfolgreich ein Kind behandelt, was eigentlich zuerst eine Narkose bekommen sollte zur Sanierung. Also: vielleicht gibt es einfach kein Allgemeinrezept?

Sonntag, 23. Mai 2010

Notdienst

Wieso kommen manche Patienten, die jahrelang nicht beim Zahnarzt waren, zum Notdienst und machen -noch halb in der Tür- die Ansage, Zahnärzte seien mit die schlimmsten Menschen auf der Welt? Nur mal so zur Info: so sammelt man keine Sympathiepunkte!
Als ich bei einer Patientin, die (seit einer Woche!) Schmerzen hatte dann eine Grunduntersuchung durchführen wollte, weigerte sie sich und machte den Mund erst gar nicht auf. "Kältetest? Auf gar keinen Fall! Wenn Sie das machen, schrei ich und schlag hier alles zusammen!" Alles klar, dann mach doch!
Ganz ehrlich, spätestens in diesem Moment sinkt meine Sympathie und mein Mitgefühl deutlich.
Wenn sie dann, nach der im Röntgen festgestellten apikalen Aufhellung, über eine Wurzelbehandlung aufgeklärt wird, diese nicht will, sondern stattdessen lieber eine Extraktion wünscht, weiß ich auch nicht mehr, was ich sagen soll.
Wurzelbehandlung nein, denn da gibts ja eine Spritze, aber Zahn raus ja, denn... dabei gibts keine??? Naja, wohl nicht so ganz durchdacht.
Zurück auf dem Stuhl geht die ganze Arie von vorne los, jetzt möchte die Patientin schon gar nicht mehr behandelt werden. "Mein Zahnarzt hat schon öfters eine Wurzelbehandlung probiert, jedesmal musste dann nach ein paar Monaten eine WSR gemacht werden und nach einem halben Jahr wurde der Zahn dann doch gezogen" Ok, hat die Endo wohl nicht so geklappt, wie von dem behandelnden Arzt gewollt, aber deswegen zum Notdienst zu gehen und quasi zu verlangen, einen Zahn zu ziehen? Das ist doch alles kein Wunschkonzert!
Zum Schluss gabs Antibiotika, Schmerzmittel, die Bitte sofort beim Hauszahnarzt vorstellig zu werden und den heimlichen Wunsch, bei uns nicht nochmal als Patientin aufzukreuzen.

Dienstag, 23. März 2010

Under The Bridge

Wisst Ihr noch, wie detailliert die Formuilierungen auf den Laborauftragszetteln sein mussten? Mindestschichtstärken, Verbinderstärken, Brückengliedgestaltung etc. pp.
Ich habe letztens zwei Zähne für eine Vollgussbrücke präpariert, Fäden gelegt, abgeformt und die Abformung ins Labor des Vertrauens, mit dem die Praxis schon längere Zeit zusammenarbeitet, geschickt. Auf dem Auftragszettel stand nichts weiter, als die Art der Arbeit, die Legierung und der Termin zur Fertigstellung. Ist aber nichts Ungewöhnliches, denn so sehen bei uns alle Laborauftragszettel aus.
Als die fertige Brücke dann aus dem Labor zurückkam, war ich doch etwas schockiert. Das Brückenglied war basal konkav, der Approximalkontakt viel zu stramm, und als ich die Brücke im Patientenmund anprobierte, fehlten vestibulär ca 2mm bis zur Präpgrenze. Gut, basal konnte ich das Ganze konvex schleifen und auch der Approximalkontakt spannte irgendwann nicht mehr ganz so, aber 2mm Metall anbauen konnte ich nicht. Die Brücke wird jetzt neu gemacht. Demnächst also wieder, wie im Studentenkurs, ganz genau aufschreiben, was man vom Techniker erwartet.

Freitag, 19. März 2010

Rundumblick

Was macht man, wenn ein neuer Patient kommt, der vorher regelmäßig bei einem anderem ZA war, man ein OPG macht, drauf guckt und feststellt: eigentlich können alle Zähne raus, die stehen, wenn überhaupt, noch 3 mm im Knochen. Patient weiß, nach eigener Angabe (wir wissen ja, diese Information kann man auch nicht als objektiv bewerten) nichts von einer Parodontitis. Oder eine junge Patientin kommt in die Praxis, ebenfall nur zur Kontrolle. Hat gerade im letzen Jahr erst drei Kronen bekommen, müsste also alles okay sein. Bissflügel gemacht: Riesen-Approximal-Karies und außerdem jetzt schon Karies unter den neuen Kronen (teilweise erst 6 Monate alt). Okay, die Mundhygiene der Patientin war vielleicht nicht der Knaller, aber wie schnell bildet sich Karies? Liegt das wirklich nur am Patienten, oder haben einige Kollegen nicht den Rundumblick, wenn sie Kronen anfertigen? Das muss alles vor einem halben Jahr schon dagewesen sein, kann mir keiner erzählen!
Also, Aussage ist die: ich finde es schwierig, gerade neuen Patienten zu erzählen, dass obwohl sie regelmäßig zum ZA (vielleicht dem falschen?) gegangen sind, jetzt akut furchtbar große und viele Löcher gefüllt werden müssen, man nur noch versuchen kann, den Zahn mit Wurzelkanalbehandlungen zu retten oder eine Parodontitsbehandlung ansteht, und dass das auch nur ein Versuch ist, die Zähne zu retten und eventuell eine Totale ansteht.
Bitter, dass man als Laie gute von schlechten Zahnärzten nicht unterscheiden kann.
Auf dass wir alle nur gute Zahnärzte werden!

Donnerstag, 18. März 2010

Geräusche in der Zahnarztpraxis

Viele Patienten, die als so genannte Angstpatienten in die Praxis kommen, erzählen, dass es vor allen Dingen die Geräusche sind, die ihnen ein unwohles Gefühl bereiten.
Heute vormittag war eine Patientin da, der ich durch Knurrgeräusche keine Angst sondern einen Lachanfall verpasst habe.
Mitten in der Behandlung fing mein hungriger Magen dermaßen an zu knurren, dass die Patientin sich kaum noch halten konnte.
So ein Magen kann ganz schon laut sein, der übertönt auch das Winkelstück.
Ich werde mir jetzt zwar angewöhnen, vor der Behnadlung zu frühstücken, aber vielleicht ist das ja mal ein alternatives Konzept um Angstpatienten versöhnlich zu stimmen ; )

Mittwoch, 10. März 2010

Typisch Frau oder nur typisch ich?

Ich hatte heute eine Patientin, bei der ich parapulpäre Stifte setzen sollte (es sei jetzt mal dahingestellt, ob das alles so seine Richtigkeit hat). Ich hab also den Vorbohrer eingespannt und mir eine schöne Stelle gesucht, die Achse ordentlich ausgerichtet und losgelegt- zumindest war das mein Plan. Den Zahn kratzte es aber, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht im geringsten, dass ich mich abmühte ihn mit Stiften zu bestücken.
Nach mehrmaligen Vesuchen, die alle am, meiner Meinung nach, zu harten Dentin scheiterten, hielt ich kurze Rücksprache mit meinem Chef. Netterweise kam er auch direkt mit zur Patientin und wollte es selbst mal ausprobieren. Nachdem sich der Stift auch bei ihm nicht einbringen lassen wollte, inspizierte er kurz die Einheit um daraufhin festzustellen, dass der Motor auf Linkslauf umgestellt wurde.
Hmmm, peinlich.
Sowohl Patientin als auch Chef konnten sich ein Lachen nicht verkneifen, und auch ich muss zugeben, dass die ganze Situation auf gewisse Art und Weise wirklich recht komisch war.
Die Helferin meinte dann, es sei typisch, dass erst ein Mann die technischen Pannen aufdecken würde, die zwei Frauen nicht gefunden haben. Naja, ich glaube ja eher nicht, dass das so zu verallgemeinern ist, aber ne lustige Geschichte ist es allemal.